Von Tür zu Tür elektrisch: Die größte E-Flotte des Landes im Einsatz
Shownotes
In dieser Folge von WATTgoesON, dem elektrifizierenden Podcast für Unternehmen, spricht Moderatorin Kathrin Hanzl mit Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter der Österreichischen Post AG und Vorstand für Paket & Logistik, über den Aufbau der größten E-Flotte des Landes und die strategische Transformation eines gesamten Logistiksystems.
Wie gelingt es, bereits seit 2010 konsequent auf Elektromobilität zu setzen, trotz anfänglicher Reichweitenunsicherheiten und fehlender Ladeinfrastruktur? Welche organisatorischen, infrastrukturellen und wirtschaftlichen Schritte waren notwendig, um heute mehr als 6.000 Fahrzeuge elektrisch zu betreiben? Und was bedeutet es, jährlich rund 1.000 weitere Fahrzeuge zu transformieren?
Im Gespräch geht es um Ladeinfrastruktur an Zustellbasen, 20 Megawattpeak Photovoltaik auf eigenen Standorten, intelligente Ladelösungen bis ins Zuhause der Zusteller:innen, erste E-LKWs im Einsatz sowie neue Ansätze wie Vehicle to Grid. Zudem wird deutlich, welche Rolle Mitarbeiter:innen-Einbindung, Skalierung und ein klarer Business Case für den langfristigen Erfolg spielen.
Eine Folge über strategische Konsequenz, Infrastruktur als Rückgrat der Mobilitätswende und darüber, wie Elektromobilität in der Logistik vom Pilotprojekt zur gelebten Realität wird, von Tür zu Tür und über Österreich hinaus.
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00:00:00: Die Reichweitenstabilität der Fahrzeuge hat sich permanent laufend weiterentwickelt,
00:00:04: auch die Kosten. 32 Millionen, die wir sozusagen nur in den Fuhrpark investiert haben. In Summe
00:00:09: haben wir 20 Megawattpeak Photovoltaik, sind damit eine der Größten. Also volles Commitment
00:00:15: des gesamten Unternehmens zu dieser Strategie. WATTgoesON, der elektrifizierende Podcast für
00:00:27: Unternehmen mit Kathrin Hanzl. Herzlich willkommen bei WATTgoesON, dem elektrifizierenden Podcast für
00:00:34: Unternehmen. Wir werfen heute einen Blick auf und in ein Unternehmen,
00:00:39: das Elektromobilität seit Jahren konsequent lebt: die Österreichische Post AG. Sie betreibt heute
00:00:45: mit mehr als 6000 Fahrzeugen die größte E Flotte des Landes, vom E Bike bis zum Transporter.
00:00:52: Nur wie hat damals alles begonnen? Was waren die größten Hürden und was braucht es, um auch im
00:00:57: ländlichen Bereich eine elektrische Zustellung zu fahren? Mein heutiger Gesprächspartner
00:01:02: ist Peter Umundum, er ist der Generaldirektor Stellvertreter der Österreichischen Post AG sowie
00:01:07: Vorstand für Paket und Logistik. Mit ihm spreche ich über die Strategien,
00:01:12: über die Erfahrungen und was es braucht, um so ein großes Unternehmen Schritt für Schritt
00:01:17: in eine CO₂ freie Mobilität zu führen. Herzlich willkommen, Peter, schön, dass du hier bist. Ja,
00:01:22: vielen Dank für die Einladung. Freue mich sehr, mit dir über die CO₂ freie Zukunft
00:01:25: der Österreichischen Post AG reden zu dürfen. Ihr habt ja bei der Österreichischen Post sehr,
00:01:29: sehr früh auf die E Mobilität gesetzt und zwar zu einer Zeit, wo Reichweiten und Ladeinfrastruktur
00:01:34: noch nicht sehr verlässlich waren. Wann habt ihr denn begonnen? Was waren da so die ersten
00:01:39: Erfahrungen und wie hat das die Post gesamt gemeistert, auf die Elektrifizierung zu setzen?
00:01:45: Ja, tatsächlich haben wir im Jahr 2010 bereits begonnen mit den ersten E Fahrzeugen,
00:01:49: also wirklich sehr, sehr früh. Damals war auch die Verlässlichkeit, die Stabilität noch nicht
00:01:55: in der Form gegeben, wie es heute gang und gäbe ist. Und das war auch so ein bisschen manchmal
00:01:59: auch der Running Gag unter den Zustellern: „Werden wir heute fahren oder werden wir heizen?“ Gerade
00:02:04: im Winter, wenn es kalt war. Also, es war wirklich manchmal schwierig auch mit den
00:02:08: Reichweiten. Das hat sich inzwischen wirklich toll entwickelt und ja, von diesen Erfahrungen
00:02:13: haben wir auch wirklich gut profitiert. Und heute, also du hast schon gesagt, 2010
00:02:17: war der Start, heute 2026 schaut alles anders aus. Da gibt’s jetzt einen ganz großen Meilenstein,
00:02:21: der auch ansteht, Stichwort „Grünes Wien“. Welche Etappen auf diesem Weg waren denn entscheidend,
00:02:28: so einen großen Meilenstein zu erreichen? Und was hat sich da auch getan in Sachen Reichweite,
00:02:33: Ladeinfrastruktur und die Alltagstauglichkeit? Ja, wir haben viele Themen sozusagen auch erleben
00:02:39: müssen auf unserer Lernkurve. Es war so, die Reichweitenstabilität der Fahrzeuge hat
00:02:45: sich permanent laufend weiterentwickelt, auch die Kosten, auch in einer positiven
00:02:49: Entwicklung für uns. Ich glaube, es war auch wichtig sozusagen, dass von Anfang
00:02:52: an das durch die öffentliche Hand unterstützt war, hat auch geholfen. Inzwischen haben wir,
00:02:57: können wir später vielleicht noch kurz reden, auch einen positiven Business Case dahinter.
00:03:01: Es waren dann wichtige Schritte dazwischen, dass unsere Fahrzeuge auch die Kapazitäten
00:03:06: auch immer größer werden mussten. Also, wir sind ja extrem stark gewachsen bei den Paketmengen.
00:03:12: Wir haben damals 2008/2009 so 50 Millionen Pakete transportiert. Heuer, also im Jahr 2025,
00:03:19: waren es 232 Millionen. Man sieht auch den Bedarf an Kapazitäten. Briefmengen gehen zurück.
00:03:29: Und es waren dann schon Entwicklungen, die wir mit unseren Zustellern auch gemeinsam gemacht haben.
00:03:35: Inzwischen ist es wirklich so, dass die Zusteller darauf warten, ihre E Fahrzeuge zu bekommen.
00:03:40: Eine wichtige Erfahrung war es auch, dass wir eine Großstadt wie Graz mit 300.000 Einwohnern
00:03:45: 2021 zu 100% auf E Mobilität umgestellt haben, also zu 100% CO₂ freie Belieferung.
00:03:52: Das war eine besondere Herausforderung, auch was Ladekapazitäten betrifft,
00:03:57: Standfestigkeit betrifft. Aber da haben wir gelernt: Das funktioniert. Dann haben wir weitere
00:04:01: Ballungsräume, Innsbruck, Salzburg, nachgezogen und 2025 wurde Wien umgestellt und inzwischen
00:04:09: wird auch ganz Wien zu 100% CO₂ frei beliefert. Die größte E Flotte des Landes ist ja nicht nur
00:04:14: eine Frage der Technik. Die Technik ist da und die funktioniert, das wissen wir. Nur natürlich hat so
00:04:18: eine Umstellung der Flotte auf eine E Flotte auch Impact auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
00:04:23: und auch auf die Arbeitsprozesse. Vor allem, weil sich ja das Geschäft, wie du gesagt hast,
00:04:27: auch sehr verändert hat, einfach im Paketvolumina zum Beispiel. Wie haben denn die Mitarbeiterinnen
00:04:32: und Mitarbeiter diesen Umstieg erlebt? Gab’s da anfangs vor allem auch Gegenwind, gab’s
00:04:37: da Kritik an der E Mobilität? Wo steht ihr heute? Ja, es war immer viel Neugier vorhanden, ist meine
00:04:43: Wahrnehmung, aber mit den ersten Erfahrungen, wo teilweise auch dann die Reichweiten nicht
00:04:47: ausgereicht haben, hat’s auch Gegenwind gegeben. Also, das war schon ein Thema und so
00:04:52: dann mit den neuen Fahrzeuggenerationen, besseren Batteriekapazitäten, hat sich das dann wirklich
00:04:58: Schritt für Schritt verbessert. Ja, und inzwischen ist es wirklich so, dass die Mitarbeiter auf mich
00:05:02: zukommen und ihre E Fahrzeuge einfordern, weil sie einfach merken, es hat Vorteile. Vorteile zum
00:05:08: einen noch einmal so im ganzen laufenden Betrieb. Wir haben viel Stop and Go Verkehr klarerweise
00:05:13: mit unseren Abgabestellen, wo man dann auch kurz stehen bleibt, wieder anfährt und so weiter. Da
00:05:19: gibt’s große Vorteile. Die Fahrzeuge sind ja auch modernste Technologie, die wir hier einsetzen,
00:05:26: was die ganze Beladung betrifft, was Heizungssysteme betrifft, Lenkradheizung,
00:05:31: Klimaanlagen und so weiter. Wirklich alles hervorragend in Schuss. Und ja, für uns auch die
00:05:41: gesamte Fehleranfälligkeit, Wartungsintensität ist mit diesen E Fahrzeugen wesentlich besser als mit
00:05:47: einem Diesel. Es ist ja weniger Technik drinnen, dadurch auch weniger fehleranfällig. Hilft uns
00:05:51: auch in den laufenden Wartungskosten, aber wirkt auch bei den Mitarbeitern positiv, weil die
00:05:56: Fahrzeuge einfach immer gut verfügbar sind. Das heißt, ihr habt das gesamte Team da gut
00:06:00: mitnehmen können und begeistern können für die E Mobilität, sodass heute schon
00:06:03: quasi gestritten wird um die E Fahrzeuge. Aber es ist ja auch kein Ende in Sicht,
00:06:07: es werden ganz bestimmt noch mehr kommen. Also, wir haben sie nicht nur mitnehmen können,
00:06:11: sondern wir haben sie auch wirklich als Partner ganz eng eingebunden. Also ihre
00:06:15: Erfahrungen sozusagen werden auch permanent dann in die nächste Fahrzeuggeneration mitgenommen.
00:06:21: Es ist auch so, dass wir mit einigen Produzenten eine sehr enge Abstimmung haben. Gewisse
00:06:25: Rückmeldungen kommen, wie sich Türen öffnen oder gewisse Spezialitäten sozusagen in der
00:06:30: Paket und Brieflogistik werden dann auch rückgemeldet. Und dann wird auch in einer
00:06:34: nächsten oder übernächsten Generation bereits darauf reflektiert und solche Feedbacks sind da
00:06:40: ganz, ganz wichtig, weil die Mitarbeiter erkennen auch, dass das angenommen wird.
00:06:43: Das heißt, sie dürfen sogar mitgestalten. So ist es, genau. Ja, das ist die Königsdisziplin.
00:06:47: Wer jetzt so eine große E Flotte hat, braucht jetzt nicht nur die Menschen,
00:06:50: die das auch bedienen und auch mitgestalten wollen, sondern vor allem auch die Infrastruktur
00:06:55: dazu. Da braucht’s ein durchdachtes Gesamtsystem, damit das funktionieren kann. Wie macht ihr das
00:07:01: bei der Post, um die Infrastruktur da zeitgerecht mitzudenken, um für einen Ausbau vorzubereiten?
00:07:07: Ja, auch hier wieder: Es gibt mehrere Komponenten. Begonnen hat es damit, dass wir bereits seit
00:07:12: 2012 nur mit grünem Strom betanken, also die gesamte Post wird mit grünem Strom betrieben.
00:07:19: Es gibt dann ja auch Spezialitäten, die zu berücksichtigen sind, dass viele Mitarbeiter
00:07:24: sozusagen nach ihrem letzten Zustellgang nach Hause fahren dürfen/können mit dem Fahrzeug
00:07:32: und dann stellt sich die Notwendigkeit, dass dann zu Hause geladen wird.
00:07:36: Da haben wir eine sehr intelligente Lösung mit einem steirischen Start up durchgeführt,
00:07:41: wo es gelungen ist, ein intelligentes Kabel zu implementieren. Das heißt, er tankt dann zu Hause.
00:07:47: Er muss nur nachweisen, dass er auch dort grünen Strom hat und wenn der Nachweis getätigt ist,
00:07:52: dann kann die Zustellerin/der Zusteller zu Hause betanken. Das Fahrzeug ist am Morgen dann wieder
00:07:59: vollbetankt und geht dann wieder voll in den Zustellbetrieb, fährt dann erst in die
00:08:02: Zustellbasis und geht dann in den Zustellbetrieb. In Summe haben wir 20 Megawattpeak Photovoltaik
00:08:07: bei unseren Verteilzentren und Zustellbasen implementiert. Wir sind damit einer der
00:08:12: größten Photovoltaik Aufdachnutzer sozusagen. Das sind rund 20% unseres gesamten Energiebedarfs,
00:08:20: den wir dann auch selbst produzieren. Der wird dann auch zum Betanken der Fahrzeuge eingesetzt.
00:08:25: Was uns hier auch hilft, unter Anführungszeichen, ist, dass wir sehr viel in Infrastrukturgebäude
00:08:31: auch investieren, investieren müssen, durch das stark steigende Paketwachstum. Das heißt, immer
00:08:36: wenn wir ein neues Verteilzentrum bauen, eine neue Zustellbasis bauen, wird klarerweise immer schon
00:08:41: absolut grün gebaut. Das heißt Photovoltaik am Dach, die ganze Beladetechnik für die Fahrzeuge,
00:08:47: aber auch Wärmepumpen und und und. Das ist dann eigentlich ein Standard, den wir dort einsetzen.
00:08:52: Das heißt, so ein Logistikzentrum oder eine Postbasis ist ein Verkehrsknotenpunkt, nicht
00:08:57: nur für die zahlreichen Pakete, die dort eingehen und wieder ausgehen, sondern auch in Sachen Strom,
00:09:02: Ladeinfrastruktur. Was bedeutet das dann für das Zusammenspiel von Zustelllogistik,
00:09:07: von Fahrzeugverfügbarkeit, aber auch dem Strombedarf?
00:09:10: Also ist richtig, es ist wirklich ein Knoten und es gibt auch viele Standorte, wo wir sagen müssen,
00:09:15: dass die bestehenden Kapazitäten nicht ausgereicht haben, wo wir auch nachrüsten
00:09:19: mussten. Auch dort sind wir noch nicht ganz durch an allen Standorten. Das ist ja richtig gesagt:
00:09:25: Wir haben jetzt 6000 Fahrzeuge von unseren 10.000 Fahrzeugen bereits umgestellt. Es werden heuer
00:09:32: wieder rund 1100 Fahrzeuge dazukommen, also auf der letzten Meile. Wir reden inzwischen
00:09:39: ausschließlich von zweispurigen Fahrzeugen. Es gibt ja auch noch Zustellfahrräder und
00:09:44: auch einige Mopeds, die sind ja komplett bereits umgestellt, aber die Tendenz
00:09:48: geht ganz klar Richtung zweispurig. Wir haben auch begonnen, unsere LKW Flotte umzustellen.
00:09:56: Wir haben eine Zwischentechnologie jetzt hier eingeführt, das ist HVO100, also mit einer CO₂
00:10:03: Einsparung von 80–90%, aber wir sehen es eher als Zwischentechnologie und sind nicht sicher, wie
00:10:08: lange die Verfügbarkeit hier gegeben sein wird. Das heißt, auch hier das klare Commitment zu E
00:10:14: LKWs. Die ersten sechs E LKWs sind bereits im Betrieb. Auch hier sieht man bereits:
00:10:20: Die Reichweiten werden auch hier besser von Generation zu Generation. Wir setzen sie
00:10:24: einerseits im Pendelverkehr ein, zwischen z. B. am Flughafen Wien und Wien Inzersdorf, oder wir
00:10:31: haben in Graz zwei Standorte, die wir miteinander verbinden. Da geht es hervorragend. Sehen aber
00:10:36: auch, dass die Reichweiten länger werden und man auch in der Belieferung von Filialen und so weiter
00:10:41: die LKWs bereits jetzt gut eingesetzt. Also eigentlich vom kleinsten bis zum
00:10:45: größten Gerät sehen wir schon E Autos in all ihren Facetten auf der Straße.
00:10:50: Man muss ja auch sagen, diese Elektromobilität in der Dimension, wie ihr sie hier operiert,
00:10:55: ist ja sehr unterschiedlich. Es kommt darauf an, wo befinden wir uns? In der Stadt, wo die
00:10:58: Strecken mal kürzer sind, das Ladenetz dichter ist und am Land haben wir eine ganz andere Realität.
00:11:04: Wie begegnet ihr bei der Post diesen regionalen Unterschieden? Gibt’s dann spezielle Fahrzeuge,
00:11:08: die mal nur da oder dort im Einsatz sind? Ja, ist eine gute Frage. Also, ich glaube,
00:11:12: was man vielleicht drunterlegen muss, ist, dass wir eine wirklich extreme Transformation sehen,
00:11:16: auch der Sendungsmengen, die wir zu transportieren haben. Also wenn ich auf die Briefmengen blicke,
00:11:22: dann waren die Briefmengen vor 10 Jahren ungefähr doppelt so groß wie aktuell.
00:11:28: Umgekehrt im Paketgeschäft haben wir den Faktor 4 bis 5 an Steigerungen dazu. Das heißt,
00:11:33: es verschieben sich hier Volumina, Gewicht und so weiter und das muss man auch berücksichtigen.
00:11:38: Das hat natürlich auch Auswirkungen auf unsere Zustellformen. Wir sind nach wie
00:11:42: vor in innerstädtischen Bereichen auch noch immer wieder mit Fahrrädern unterwegs, auch teilweise
00:11:46: mit Handkarren, die inzwischen auch teilweise elektrisch betrieben werden, weil die auch sehr,
00:11:50: sehr schwer sind. Aber wir sind da auch mit Handkarren und Fahrrädern unterwegs
00:11:56: und verstärkt dazu sagen wird auch hier, geht’s auch Richtung zweispuriger Fahrzeuge,
00:12:01: weil das Paketaufkommen gerade auch in den Ballungsräumen extrem steigt und
00:12:08: die Fahrzeuge werden tendenziell vor allem dann im ländlichen Bereich auch noch einmal größer,
00:12:13: weil eben auch Reichweiten besser werden und weil auch wieder Paketkapazitäten nach oben gehen und
00:12:20: dadurch brauchst es noch größere Zustellgebiete und bessere Reichweiten. Also je nachdem sozusagen
00:12:27: werden unterschiedliche Fahrzeugtypen eingesetzt. Es gibt auch diese dreirädrigen Kyburz-Systeme
00:12:32: mit Anhängern, die in Ballungsräumen auch verwendet werden, ist dann so eine Mischung
00:12:36: zwischen Brief und Paketzustellung. Also auch solche Themen gibt’s.
00:12:40: In Summe versuchen wir sehr stark, bei uns heißt das, im Verbund zu produzieren:
00:12:43: sowohl in den Logistikzentren als auch in der Transportlogistik als auch auf der
00:12:47: letzten Meile, praktisch Produkte gemeinsam zu sortieren, zu transportieren, zuzustellen.
00:12:53: Die Elektrifizierung im Nutzfahrzeugbereich schreitet ja allgemein in großen Schritten voran,
00:12:57: nicht nur bei euch bei der Post. Im Schwerverkehr, wie du vorher schon gesagt hast, ist es doch
00:13:01: noch eher eine Herausforderung. Ihr habt schon sechs große LKWs im Einsatz. Dennoch: Wo stößt
00:13:07: denn dieser LKW derzeit an die Grenzen? Sei es jetzt mit Ladezeiten oder auch Reichweite oder
00:13:13: Wirtschaftlichkeit. Wo wird da die Reise hingehen? Ja, also mich erinnert ein bisschen an die
00:13:18: Startphase bei unseren Zustellerfahrzeugen. Das war durchaus ähnlich. Auch dort war es so,
00:13:22: dass damals die Fahrzeuge wesentlich teurer waren als herkömmliche Dieselfahrzeuge,
00:13:26: dass die Reichweiten noch nicht voll ausreichend waren und auch der Komfort sozusagen nicht dort
00:13:31: war, wo er jetzt ist und eine ähnliche Entwicklung sehen wir auch bei den LKWs.
00:13:36: Vom Komfort her muss ich sagen, sind die Fahrzeuge bereits hervorragend ausgestattet. Sie sind
00:13:40: wirklich top. Also, die werden geliebt von unseren Fahrern. Preislich sind sie schon
00:13:46: noch so ca. beim gut Doppelten im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug. Also das ist schon
00:13:50: auch noch einmal ein Thema, das uns beschäftigt. Hier gibt’s auch ein gewisses Förderregime,
00:13:54: das ein bisschen hilft, aber ein Teil bleibt natürlich auch beim Unternehmen hängen.
00:13:58: Und eigentlich das Kernthema sind noch die Reichweiten. Wir sind auch dabei,
00:14:04: an unseren großen Standorten Schnellladeeinheiten zu installieren, damit sehr kurzfristig sozusagen
00:14:10: Strom wieder aufgeladen werden kann. Das funktioniert auch gut, aber auch das ist teuer.
00:14:15: Aber man sieht, wie gesagt, von Generation zu Generation, wie sich Preis sozusagen in die
00:14:19: richtige Richtung entwickelt, die Reichweiten besser werden. Und ich gehe davon aus,
00:14:24: dass man auch hier in den nächsten 3, 4, 5 Jahren dann schon auch von Gesamtkosten, TCO,
00:14:33: vergleichbar ist mit einem Diesel und wir werden konsequent diesen Schritt weitergehen.
00:14:37: Sage aber auch dazu, dass wir hier technologieoffen bleiben wollen, auch
00:14:41: beobachten werden. Was tut sich im Bereich von Wasserstoff als mögliche wirkliche Alternative?
00:14:49: Was tut sich aber auch im Bereich sonstiger Treibstoffe? HVO habe ich vorher schon kurz
00:14:55: erwähnt. Wenn es hier weitere Entwicklungen gibt, werden wir auch das testen. Ihr seid immer bereit,
00:14:59: neue innovative Zugänge auch aufzugreifen. Was tut sich denn da technologisch
00:15:03: aktuell oder in naher Zukunft? Welche Entwicklungen können wir da erwarten?
00:15:06: Ja, wir haben im letzten Jahr eine spezielle Herausforderung auch gelöst, auch wieder mit
00:15:10: Partnern gemeinsam klarerweise. Dass wir auch E Allradfahrzeuge benötigen. Österreich ist
00:15:17: gebirgig und wir müssen „every day, every door“ und das sozusagen auch auf jeden Bergbauernhof,
00:15:22: müssen wir zustellen. Und im letzten Jahr haben wir erstmals auch E Allradfahrzeuge eingesetzt,
00:15:28: die auch hervorragend funktionieren. Also das war auch ein wichtiger Baustein. Wir waren auch
00:15:32: in der Verfügbarkeit etwas hinten nach und wie gesagt, seit 2025 sind die verfügbar.
00:15:38: Und das Zweite, wo wir mit ersten Experimenten auch gestartet sind, ist „Vehicle to Grid“. Das
00:15:45: heißt, die Fantasie, die wir haben, ist, dass unsere 10.000 Fahrzeuge auch immer irgendwie ein
00:15:51: großer Pufferspeicher sein könnten. Dass dort Strom beladen wird, vielleicht von
00:15:57: unseren Photovoltaik Aufdachanlagen und wir den Strom dann wieder zu einem Zeitpunkt abziehen,
00:16:02: wo er nicht zum Fahren benötigt wird. Wo wir dann Maschinen damit betreiben oder zum Heizen oder was
00:16:06: auch immer. Also auch das ist eine Überlegung, die existiert und wo wir erste Schritte gegangen sind.
00:16:12: Für euch bei der Post endet die E Mobilität ja nicht an der Landesgrenze. Ihr seid international
00:16:17: tätig. Wie unterschiedlich sind da jetzt die Voraussetzungen, vor allem hinsichtlich
00:16:21: der E Mobilität? Wie ist die Akzeptanz vor Ort? Wie sind die Fördermaßnahmen?
00:16:26: Was tut sich da international bei euch? Also, ich muss vielleicht kurz einbegleiten:
00:16:29: Wir haben langfristige Ziele, die wir uns in der Konzernstrategie festgeschrieben haben und auch
00:16:34: mit jährlichen Messkriterien. Die wesentlichen Bausteine dazu sind, dass wir bis 2030 auf der
00:16:42: letzten Meile in Österreich zu 100% CO₂ frei sein wollen. Das wird dann zeitverschoben 3, 4, 5 Jahre
00:16:49: dann auch in Ost und Südosteuropa, Türkei möglich sein. Und bis 2040 wollen wir dann sozusagen zu
00:16:55: 100% CO₂ reduziert haben, heißt, auch der gesamte Schwerverkehr und die gesamten Immobilien.
00:17:00: Da sind wir auf einem guten Weg. Wie man schon daraus erkennt, sind wir sozusagen
00:17:05: in Ost und Südosteuropa, Türkei einige Jahre hinten nach sozusagen in der Entwicklung. Auch mit
00:17:11: dem Vorteil, dass wir das Know how, das wir uns in Österreich aufgebaut haben, dort auch nutzen
00:17:16: im Gesamtkonzern. Und es ist dann länderweise wirklich sehr stark unterschiedlich. Hängt
00:17:20: ab von Förderregimen, auch von Regulatorien. Wir sind in der Slowakei, also im benachbarten
00:17:27: Ausland, schon sehr sehr gut unterwegs. Haben dort zahlreiche Fahrzeuge bereits umgestellt.
00:17:32: Auch in der Türkei, da eine ähnliche Logik wie vorher: Das „Grüne Graz“ oder „Grüne Wien“ haben
00:17:37: wir dort das „Grüne Bodrum“ gestartet. Also auch dort gibt’s Ballungsräume,
00:17:40: wo wir zu 100% umgestellt haben. Aber wie gesagt, das Ganze ist einem bisschen zeitverschoben,
00:17:46: aber mit dem klaren Ziel, das in 4-5 Jahren im Abstand spätestens auch nachgezogen haben.
00:17:52: Das heißt, kann man sagen, dass ihr die regionalen Besonderheiten, die ihr hier die letzten Jahre
00:17:56: schon getestet habt und erfolgreich umgesetzt habt, zu einer strategischen Stärke dann bei
00:18:02: den Tochterbetrieben im Ausland macht? Ja, also nicht nur im Ausland, auch in
00:18:05: Österreich. Also, ich glaube, wir sind europaweit wirklich Vorreiter. Man merkt auch daran,
00:18:09: dass viele internationale Logistiker auch zu uns kommen und uns auch erfahren wollen,
00:18:13: wie wir das gemacht haben. Wir haben auch den einen oder anderen Beratungsvertrag bereits
00:18:17: nach außen vergeben, wo wir auch andere Fuhrparkumstellungen begleitet haben,
00:18:22: also wirklich vorne mit dabei. Und klarerweise, nachdem wir das Ganze als Gesamtnetz in unseren
00:18:28: Zieländern, wir sind in 14 Ländern Europas und Asiens inzwischen bereits unterwegs, wollen wir
00:18:35: diesen Vorteil auch unseren Kunden weitergeben. Wir erreichen ja mit unseren Netzwerken inzwischen
00:18:41: 150 Millionen Empfängerkunden. Das ist vielleicht in Österreich gar nicht so bekannt, dass in
00:18:45: Österreich nur knapp 10 Millionen davon sozusagen. Der Großteil ist in Ost und Südosteuropa, Türkei,
00:18:52: Aserbaidschan, Georgien, wo wir gestartet sind. Und die Transformation, der Erfahrungen,
00:18:58: die wir in Österreich gelernt haben, die werden dort auch dort hin transportiert, ja.
00:19:03: Du hast vorher schon erzählt, das große Ziel für 2030 ist es, dass die Österreichische
00:19:08: Post flächendeckend mit E Fahrzeugen, mit E Bikes oder auch zu Fuß zustellt. Ein sehr
00:19:12: ambitioniertes Vorhaben, wie ich finde. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass ihr das auch rocken
00:19:16: werdet. Das verlangt jedenfalls jede Menge Planung, auch hinsichtlich der Infrastruktur
00:19:21: und Umsetzungsstärke. Wie sieht denn jetzt da der Fahrplan konkret aus? Was braucht’s noch,
00:19:26: damit dieses Ziel 2030 auch erreicht werden kann? Wenn man es nur jetzt arithmetisch hernimmt:
00:19:31: 10.000 Fahrzeuge, wir stehen bei knapp über 6000, braucht es jedes Jahr rund 1000 Fahrzeuge,
00:19:36: die wir sozusagen vom Diesel auf E Mobilität transformieren. Das werden im heurigen Jahr sogar
00:19:43: knapp mehr als 1000 sein, die wir geplant haben. Vielleicht spannend ist auch hier zu ergänzen,
00:19:48: dass wir in den letzten Jahren immer eine Mischung hatten aus europäischen Fahrzeugen
00:19:53: und auch chinesischen Anbietern. Wir schreiben regelmäßig neu aus. Die Europäer haben jetzt
00:19:58: hier gut nachgezogen. Also, wir haben jetzt mit Stellantis und Renault wieder zwei europäische
00:20:04: Konzerne sozusagen dazubekommen, die uns hier gut servicieren. Vielleicht auch eine gute Nachricht
00:20:09: für die Europäische Union oder für Österreich. Ja und im heurigen Jahr sind es 32 Millionen,
00:20:17: die wir sozusagen nur in den Fuhrpark investieren. Also, es geht wirklich viel Geld rein. Aber wir
00:20:23: sehen, das ist, glaube ich, ganz ganz wichtig, es kommt sowohl bei unseren Empfängerkunden,
00:20:27: also bei Herrn und Frau Österreicher:in, sehr gut an, aber auch besonders bei unseren
00:20:34: Versenderkunden. Also, wir haben einige Kunden auch deswegen gewonnen, weil wir grün zustellen
00:20:42: und in den internen Bewertungen ist es ein echter Faktor. Es gibt keine Zahlungsbereitschaft,
00:20:47: sage ich auch dazu, weder auf der Empfänger noch auf der Versenderseite, aber in der
00:20:52: Gewichtung in den Bewertungen hat’s Relevanz. Im Gelb steckt ganz viel Grün. Das lese ich auch
00:20:58: oft auf der Straße und das habe ich heute auch sehr stark durchgehört. Das ist tatsächlich so.
00:21:02: Zum Abschluss unserer Episode habe ich noch an dich, Peter, eine sehr persönliche Frage
00:21:06: und zwar was bedeutet es für dich, die Mobilitäts und Energiewende aus eigener Kraft voranzutreiben?
00:21:13: Ich habe zwei Enkelkinder und ja, ist irgendwie ein Auftrag sozusagen für mich als auch Teil der
00:21:22: älteren Generation, sicherzustellen, dass die Zukunft der Enkelkinder und der Urenkelkinder
00:21:28: und so weiter gut abgesichert wird und das ist ein wichtiger, wichtiger Beitrag dazu.
00:21:35: Aber sozusagen, es braucht auch und da bin ich auch Vorstand der Österreichischen Post
00:21:38: AG. Es braucht auch eine kommerziell gute Rechnung dazu. Inzwischen ist es auch so,
00:21:43: dass auf der letzten Meile die E Fahrzeuge sich besser rechnen als vergleichbare Technologien.
00:21:49: Das hat natürlich auch mit unserem Einsatzgebiet zu tun, aber das funktioniert sehr, sehr gut.
00:21:56: Es kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Unsere Kunden fordern das, wünschen das. Das ist für mich
00:22:00: auch ein Auftrag. Man muss den Kunden zuallererst zufriedenstellen, damit das Geschäft funktioniert
00:22:05: und mit diesen drei Komponenten, glaube ich, fühlen wir uns da auf einem guten Weg. Wir
00:22:10: haben auch unsere Strategie im letzten Jahr neu definiert, wo das Thema Nachhaltigkeit,
00:22:15: nachhaltige Logistik wieder im Kern der Strategie steht. Also volles Commitment des gesamten
00:22:20: Unternehmens zu dieser Strategie. Herzlichen Dank für das Gespräch,
00:22:24: Peter. Dankeschön. Ich danke dir. Zusammenfassend lässt sich sagen,
00:22:27: dass Elektromobilität in der Zustellung längst kein Pilotprojekt mehr ist, sondern Realität,
00:22:33: gelebte Realität mit messbarem Impact. Wer heute Verantwortung übernimmt, der stellt nicht einfach
00:22:39: nur seinen eigenen Fuhrpark um, sondern sendet ein starkes Signal in Richtung Zukunftsfähigkeit.
00:22:45: Die Erfahrungen aus dem Alltag bei der Österreichischen Post AG mit
00:22:48: mehr als 6000 E Fahrzeugen zeigen: Es braucht eine klare Strategie,
00:22:53: es braucht technologisches Feingefühl und Durchhaltevermögen. Dann ist die Elektromobilität
00:22:58: in der Logistik machbar und skalierbar. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön
00:23:03: an Sie, liebe Zuhörer:innen und Zuseher:innen, fürs Dabeisein. Begleiten Sie uns auf unserer
00:23:08: Reise zur Mobilitäts und Energiewende. Bis zum nächsten Mal bei WATTgoesON.
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